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Science, Technology and Media Studies

Medienwissenschaftliches Seminar

In einer Gesellschaft, in der Medien zunehmend durch Software und KI formiert sind, braucht es veränderte wissenschaftliche Antworten auf neue Technologien und deren Aneignungsformen. Die Science and Technology Studies (STS) analysieren aktuelle Medienphänomene und führen sie auf grundlegende sozio-technische Strukturen zurück. Damit nimmt das Feld eine wichtige Schnittstellenrolle in der kultur- und sozialwissenschaftlichen Medienforschung ein. STS richtet den Fokus auf Repräsentationen und Inskriptionen von Medien sowie auf die wechselseitige Verfertigung von Techniken und Praktiken. So erweitert STS den medienwissenschaftlichen Gegenstandsbereich und stärkt vor allem den Methodenpluralismus—denn vernetzte und mobile Medien verlangen vernetzte und mobile Untersuchungsmethoden.

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Aktuelle Forschungsprojekte

Navigation in Online-/Offline-Räumen

Das Forschungsprojekt A03 im SFB „Medien der Kooperation“ widmet sich der medientheoretischen Frage, wie Medien und Räume durch navigatorische Praktiken kooperativ hervorgebracht werden. Nachdem sich A03 in der ersten Phase mit der Transformation von Navigationsanwendungen zu sozialen Medien und Plattformen beschäftigt hat, konzentrierte sich die zweite Förderphase auf semi-autonome Navigationsprozesse. In der dritten Förderphase untersucht das Teilprojekt entscheidungsintensive mediengestützte Navigationssituationen in urbanen Räumen, die durch eine sensortechnisch aufgeladene Infrastruktur gekennzeichnet sind. In der Literatur zum „Internet der Dinge“ wird diese Mobilitätsweise auch als kontextbezogene Mikronavigation beschrieben. Mikronavigation ist dabei definiert als eine Bewegungsform, die durch gemeinsame Daten-, Medien- und Raumpraktiken gekennzeichnet ist, bei der die Medien und Verkehrsträger relativ kurz genutzt oder häufig gewechselt werden. Ziel des Teilprojekts ist es, die kooperative Verfertigung der Daten-, Medien- und Raumpraktiken bei der Mikronavigation quer durch Online- und Offline-Welten zu analysieren und theoretisch zu beschreiben.

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Precision Farming: Ko-operative Praktiken des Virtual Fencing

Das Forschungsprojekt untersucht kollaborative, auf Basis von Sensortechnologien stattfindende Prozesse der Semi-Autonomisierung im Feld des Precision Farming aus medientheoretischer, -historischer und -praxeologischer Perspektive. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftspolitischer und ökologischer Herausforderungen im Agrarsektor evaluiert das SFB-Teilprojekt am Beispiel des digitalen Hütens die Frage, wie durch kooperative Medienpraktiken heterogener Akteur*innen virtuell geographische Grenzen hervorgebracht werden. Hierfür werden mittels einer Ko-Operationsanalyse terrain-modellierende Grenzpraktiken, deren nutzungsspezifische mediale Interaktionsformen sowie die Implementierung als Closed-Loop-Sensing untersucht. Das Projekt erlaubt damit die Reflexion der medialen Bedingungen und Handlungsmöglichkeiten einer agrarspezifischen Praxis, die medienhistorische Entwicklungen konsolidiert und gleichsam nachhaltig auf zukünftige Entwicklungen im Bereich Landwirtschaft und Viehzucht wirkt.

Um das damit verwobene medienwissenschaftliche Themenfeld von Grenzobjekten und Grenzpraktiken vollumfänglich erfassen zu können, sind sowohl die medientheoretische Reflexion, die empirisch-qualitative Forschung im Feld als auch die historisch-praxeologische Aufarbeitung seiner Entwicklung notwendig. Diese haben zum Ziel, aktuelle Medien- und Datenpraktiken des sensorbasierten digitalen Zaunbaus als emergente Weiterentwicklung voriger analoger Techniken der Terrainmodellierung sowie von Medien- und Grenzpraktiken der Einzäunung begreifbar zu machen. Dazu werden die als wesentlich identifizierten Charakteristika des Virtual Fencing einer historischen Analyse unterzogen, die ebenso die agrikulturellen, praxeologischen und soziotechnischen Implikationen mobiler Einzäunungen berücksichtigt.

Beitrag aus future – dem Forschungsmagazin der Universität Siegen.

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ZOOGESTURES

Leitung: Dr. Johannes Schick

Förderung durch die Volkswagenstiftung von 2026 bis 2030

Als bestimmendes Merkmal des Menschen und des 21. Jahrhunderts gilt die Technik. Sie wird zugleich als Fluch und Segen gesehen und zuletzt wurde quer durch die Wissenschaften argumentiert, dass Mensch und Technik auf Gedeih und Verderb schicksalshaft verknüpft seien. Die Forschung hat folgerichtig die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet um das technische Vermögen des Menschen zu verstehen, und verstärkt Prozesse auf der Spezies- oder Abstammungsebene untersucht. ZOOGESTURES stellt dem entgegen, dass dadurch die Interaktion heterogener Lebewesen als möglicher Schlüsselkontext für technisch Neues, Lernen und Innovation übersehen worden ist. Das Projekt mobilisiert eine interdisziplinäre Forschungsgruppe aus Technikphilosophie und -anthropologie, Archäologie und Primatologie, die die theoretischen und methodischen Ressourcen entwickelt, um diese Rolle anderer, nicht-menschlicher Tiere in der menschlichen Technikevolution nachzuzeichnen. Wir verfolgen die Hypothese, dass nicht-menschliche technische Gesten wichtige Quellen menschlichen Lernens, verkörperten Verhaltens und von Umweltanpassung sind. Anhand der Analyse archäologischer Funde und indigener Überlieferungen versuchen wir, historische Indikatoren, Beispiele und materielle Korrelate für unsere Hypothese zu identifizieren. Wir unternehmen zudem primatologische Feldforschung mit freilebenden Primaten in Afrika, um zu untersuchen inwiefern deren Aufmerksamkeit auf die Gesten und das Verhalten anderer Lebewesen gerichtet ist.

Pressemitteilung

 

 

Team

Thielmann

Univ.-Prof. Dr. Tristan Thielmann

Professor*in
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PD Dr. phil. Michael Lommel

Lehrkraft für besondere Aufgaben
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Dr. Johannes Schick

Projektmitarbeiter*in
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Julian Pieper

Projektmitarbeiter*in